In case you missed it: hier ist das Zitat des Tages aus der Senatanhörung von Stavridis.
A third important key to success in Afghanistan is effective strategic communication.
A continuous flow of information that serves to bolster our actions is essential to assuring the
Afghans, as well as our enemies, that the United States and our allies are committed to a secure
and stable Afghanistan. We have work to do, but are improving.
Angesichts der Tatsache, dass wir Strategic Communication immer noch nicht so richtig verstanden haben, hätte mich mal interessiert, wie es denn aus Sicht von Stavridis weitergehen sollte. Schade, dass er dazu nichts schreibt. Ich warte jetzt mal auf die Ausschriftung der Befragung.
Die Nachricht auf der Webseite der New York Times erschien am späten Abend amerikanischer Zeit: Mullah Abdul Ghani (aka Mullah Baradar), militärischer Chef und hinter Mullah Omar zweiter Mann der Taliban, sei am vergangenen Donnerstag in in einer gemeinsamen Operation des pakistanischen Geheimdienstes ISI und der CIA in Karachi festgenommen worden.
Medienberichten zu Folge war Baradar innerhalb der Quetta-Shura verantwortlich für die Ernennung von “Taliban-Kommandeuren” in Afghanistan (u.a. auch in der Region Kunduz, wie der Spiegel im vergangenen Jahr recherchierte) und, wenn man so will, für die laufenden Operationen in Afghanistan. Auch sei er federführend für den im vergangenen April bekannt gewordenen “Code of Conduct” der afghanischen Taliban verantwortlich gewesen, mit dem diese Image in der afghanische Zivilbevölkerung verbessern wollten.
Aus offenen Quellen ist nicht allzu viel über Baradar bekannt. Das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek veröffentlichte im vergangenen Jahr ein Portrait über ihn, ein paar andere Informationen finden sich in der New York Times (hier.)
Die entscheidende Frage wird sein: so what? Wird die Verhaftung Baradars Auswirkungen auf die Führungsfähigkeit der Taliban haben? Ist die Verhaftung des zweiten Manns vielleicht sogar der Hebel, mit dem man die Taliban vereinfacht gesprochen sogar an den Verhandlungstisch bringt? Die Antwort auf diese Frage ist wie meistens: kommt drauf an bzw too early too tell. Man wird sich die Quetta-Shura, welche angeblic die Aufstandsbewegung in Afghanistan steuert nicht als militärisch organisierten Apparat vorstellen dürfen. Im Kern reden wir hier über eine Gruppe von zehn bis zwölf Mann (ich glaube, Frauen können wir ausschließen), die Medienberichten zu Folge aus Angst vor US-amerikanischen Drohnenangriffen im April vergangenen Jahr von Quetta nach Karachi und Peshawar geflüchtet sind. Allein diese Tatsache dürfte die Führungsfähigkeit der Shura stark einschränken. Auch ist nicht bekannt, ob es sich um ein hierarchisch gegliedertes Gremium handelt oder ob die Gruppe nach dem Einstimmigkeitsprinzip handelt. Darüber hinaus ist fraglich, welchen Einfluß die Quetta-Shura auf die “Taliban-Kommandeure” tatsächlich hat. Indiz hierfür ist eine im vergangenen Jahr bekannt gewordene “Direktive”, mit der die Shura-Boys ihre Kontrolle über die Kämpfer in Afghanistan festigen wollen:
"The mujahideen must obey commanders, commanders must obey district general leaders, district general leaders must obey provincial general leaders and the provincial general leaders must obey the imam [Mullah Omar] and deputy imam.”
Lange Rede, kurzer Sinn: auf kurze Sicht scheint die Verhaftung Baradars eine Schwächung der Quetta-Shura darzustellen. Dies allein schon aus dem Grund, dass in einer vergleichsweise kleinen Gruppe ein wichtiges Mitglied und deren Wissen und deren Autorität wegbricht. Für diese Version spricht übrigens auch die Vehemenz, mit der die Taliban die Verhaftung Baradars dementieren.
Auf lange Sicht denke ich, dass (a) jüngere, schlimmstenfalls noch radikalere, “Nachwuchs-Kader” nachrücken werden und (b) die Aufstandsbewegung in Afghanistan inzwischen ein Ausmaß an Autonomie erreicht, bei dem der Ausfall von Führungsfiguren nur kurzzeitig für Verwirrung sorgt.
Zur weiteren Einordnung empfehle ich wie immer Registan.net (äh: hier).
Quick update zur Operation Moshtarak: wie anzunehmen war, verläuft die Operation vollkommen nach Plan. Und wie schon im Vorfeld der Operation, wo die ISAF Public Affairs Abteilung zur Höchstform auflief, geht der Media Blitz (TM) auch nach Beginn der Operation weiter. Heute gab es eine, räusper, “Joint Press Conference” mit dem afghanischen Verteidigungsminister, dem Governeur der Provinz Helmand und dem COM ISAF himself. Die afghanische Nachrichtenagentur Pahjwok covert dieses Event folgendermaßen:
Afghan officials, NATO commander address press conference in Helmand
Lashkargah: Afghan and NATO troops have encircled militant bastions in Marja and Nad-e Ali districts of southern Helmand Province, asking the insurgents to surrender, officials said on Monday.
About 15,000 troops from the Afghan National Army (ANA), police, International Security Assistance Force Regional Command (South) and Helmand Provincial Reconstruction Team are taking part in the sweep.
In Lashkargah, senior Afghan ministers, Helmand governor, NATO commander and the 205th Atal Military Corps chief addressed a joint press conference about the Operation Moshtarak, which entered its third day on Monday.
Defence Minister Abdorrahim Wardag said the operation was not aimed at killing the militants, but providing a safe environment to residents of the rebel-infested to enable them to lead a prosperous life.
He added a number of fighters trapped in their strongholds still had a chance to surrender and return to a normal civilian life. The Afghan-led operation is the first of its kind to be launched jointly with foreign troops.
"Security posts would be established in the areas cleared of militants to keep them from falling back into Taleban's hands," Wardag explained, putting at 5,000 the number of the fighting force. The rest are on standby.
Interior Minister Mohammad Hanif Atmar said nine civilians and three militants were killed in artillery fire by NATO forces. The civilian deaths occurred when foreign troops opened fire at houses from where they came under attack.
The guerrillas have turned civilian houses into trenches against the joint force, according to Atmar, who said the sacrifice of the few individuals would lead thousands of people to getting rid of the insurgency.
They are visiting the province on a directive from President Hamed Karzai to investigate into the civilian deaths during the and make sure that such incident did not recur.
In his remarks, NATO commander General McChrystal said the ongoing offensive in Marja and Nad-e Ali was different from past actions, in that it was led by Afghan forces, backed by international troops.
He said the first phase of the operation, to be completed soon, would be followed by search operations. "We are advancing in line with instructions from Afghan troops," he observed.
Governor Gulab Mangal said the operation was well-planned and security had been restored to the areas captured by troops. Three suicide bombers trying to target ISAF troops were shot dead today, he pointed out. There were civilian casualties, but the exact number was still unknown, said the governor.
According to Gen Sher Mohammad Zazai, three ANA soldiers had so far been killed and as many injured in the operation, which involved bombardments in parts of Marja.
A couple of NATO missiles killed a dozen of civilians on Sunday. The assault was launched after the fighters refused to leave the towns of Marja and Nad-e Ali. Gubernatorial spokesman Daud Ahmadi earlier said 12 rebels were killed in the overnight air strikes.
But the Taleban denied suffering casualties, with their mouthpiece Qari Yousaf Ahmadi claiming the fighters killed and wounded dozens of foreign and Afghan troops. He claimed nearly 20 military vehicles were blown up during clashes.
Für weitere Updates empfehle ich CNN-Reporterin Atia Abawi, die mit den Truppen “embedded” in Helmand ist und die von dort twittert. U.a. das hier.
Ach, der Branchen-Newsletter Griephan. Da hatte ich mich vor einigen Wochen noch gefragt, wofür ich eigentlich gefühlte 2500 Euro/ Jahr ausgeben soll und dann kommen die am Freitag mit der Neubesetzung einiger militärischer Spitzendienstposten um die Ecke. Nun ja, das meiste kann man heute in der FAZ bzw. drüben bei “Zur Sicherheit” nachlesen.
Vielleicht noch eine kleine Ergänzung zu diesen Postengeschiebe, obwohl es nicht unbedingt “Zug im Kamin” auslösen wird. Generalleutnant Roland Kather, ehemaliger Befehlshaber KFOR, jetzt Befehlshaber im Component Command Land HQ Heidelberg und oberster Panzeraufklärer der Bundeswehr, wird ab 01.08. diesen Jahres Deutscher Militärischer Vertreter (DMV) im NATO-Militärausschuß und löst damit Generalleutnant Jürgen Bornemann ab.
PS. Der Griephan kostet natürlich nur 684 Euro pro Jahr.
Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen nach einem (langen) Wochenende besteht darin, die EMails der vergangenen Tage durchzugehen. Von einer Zero Inbox weit entfernt, landet die Mehrzahl der eingegangenen Nachrichten meistens gleich im digitalen Mülleimer der Geschichte. Hin und wieder sind dann doch interessante Sachen dabei. So beispielsweise letzten Freitag, als ein Bekannter, der im Moment als Berater der afghanischen (Zentral-)Regierung in Kunduz weilt, sich nach langer Zeit mal wieder meldete. Neben vielen privaten Nachrichten, stach für mich eine Sache besonders heraus. Da berichtete mein Bekannter, wie er ein Mitglied der afghanischen National Polizei (ANP) quasi als Anhalter mitnahm und dieser über das Image der ANP berichtete (Reminder: die neue Strategie der Deutschen in Afghanistan ist ja, durch intensivere Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte irgendwann mal die Verantwortung an die Afghanen abgeben zu können.)
While riding together, the ANP officer told me that he loves to work as an police office and to serve the Afghan people (sic!). The officer also complained that locals are disrespectful, and that the population sees them as a lower cast of the society. “We are not getting paid enough to feed our families, sometimes having to force people to pay us bribe just to make a living,” he told me.
Hm. Vielleicht haben wir übersehen, dass es mit der Ausbildung der Polizeikräfe allein nicht getan ist. Solange vergleichsweise einfach zu lösende Probleme wie die Bezahlung der Polizei nicht gelöst ist, wird es die ANP schwer haben. Ich sage nicht, dass das primär ein Problem der Bundesrepublik oder ihrer Partner ist. Aber es wird schwer sein, loyale Polizisten zu rekrutieren und bei der Stange zu halten, solange andere attraktivere Einnahmequellen existieren (und ja ich weiß – Geld allein ist nicht der primäre Motivationsfaktor). Der zweite Punkt könnte noch wichtiger sein: solange die Bevölkerung die ANP mit früheren Warlords in Verbindung bringt und die ANP als eine Ansammlung von Uniformierten, die rauben, plündern und Bestechungsgelder annehmen wahrgenommen wird, solange also die ANP in den Augen der Bevölkerung keine Legitimität besitzt, ist es zu kurz gegriffen, “nur” ausbilden zu wollen. Nochmal aus der bereits zitierten Elektropost:
Most potential ANP officers I have met are concerned with the negative image of the profession because people associate ANP and ANA with ex-mujahidin fighters who extorted, looted, raped women and killed innocent people. People here say: “They are still doing these things under the name of ANA and ANP, however now wearing new uniforms.”
Hrm.
In other news: die NATO-Offensive in Helmand ist in vollem Gange und wie nicht anders zu erwarten war, läuft alles nach Plan. Stephan Löwenstein hat drüben bei “Zur Sicherheit” einen dap-Bericht von Can Merey zur Operation “Gemeinsam”. Merey ist, wie man außerhalb des deutschen Sprachraums sagt, “embedded” mit britischen Kräften und sieht die Operation etwas skeptischer. Auf jeden Fall lesenswert.
Hallo. Ich nochmal. Mögen Sie mir folgen in ein Land, wo man verstanden hat, wie sicherheitspolitische Kommunikation funktionieren könnte? Prima. Los geht's. Unser erster Zwischenstop ist die Los Angeles Times. Die veröffentlicht jetzt auf ihrer Webseite Videos von Soldaten im Einsatz. Ein Beispiel ist Marine Corporal Chad McCoy, 25, aus Hickman. Der Unteroffizier ist Hundeführer und erzählt uns hier (http://www.latimes.com/videobeta/?watchId=6980bf4b-253c-4524-8395-cd764105d455) aus seinem Alltag im Einsatz. Nicht, dass das besonders spektakulär wäre. Aber es gibt uns einen Einblick in den Alltag des Soldaten und es ist authentisch. Seit langer, langer Zeit blagt mich der Gedanke, dass die Perspektive der Soldaten im Einsatz in der hiesigen Berichterstattung irgendwie zu kurz kommt. Da macht es dann auch nichts, wenn Unteroffizier McCoy gegen Ende mal kurz seine Talking Points vergessen hat. Seine wichtigste Botschaft ist: "we get the job done."
Hat's gefallen? Das freut mich. Dann geht's morgen weiter mit unserer kleinen Rundreise. Bis dahin. Horrido.
SRS Steegmans: Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie üblich an dieser Stelle, wenn auch normalerweise nicht an einem Dienstag, zunächst mein Bericht aus dem Kabinett von heute Vormittag: Das Bundeskabinett hat heute vorbehaltlich der konstitutiven Zustimmung des Deutschen Bundestages die Anpassung der deutschen Beteiligung an der Nato-geführten Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe in Afghanistan, Isaf, beschlossen. Kurz zur Einordnung: Die Bundesregierung hatte bei der Erteilung des letzten Mandats durch den Bundestag am 3. Dezember 2009 angekündigt, die deutsche Afghanistan-Strategie im Zusammenhang mit der Londoner Afghanistan-Konferenz im Januar zu überprüfen. Am 28. Januar 2010 hat die internationale Staatengemeinschaft in London nunmehr einen Neuansatz für Afghanistan beschlossen, der unter dem Leitmotiv der "Übergabe in Verantwortung" steht. Die Bundesregierung hat diesen internationalen Neuansatz entscheidend mit vorangetrieben. In ihrer Regierungserklärung vom 27. Januar einen Tag vor der Londoner Afghanistan-Konferenz hat die Bundeskanzlerin ausführlich erläutert, wie die Bundesregierung ihr Engagement für Stabilität, Wiederaufbau und Entwicklung in Afghanistan in der Zukunft auszurichten gedenkt und welche Beiträge hierfür vorgesehen sind. Dabei sehen die Bundesregierung wie auch die internationalen Partner ihr verstärktes Engagement in Afghanistan im Zusammenhang mit den klaren Zusagen, die Präsident Karsai auf der Londoner Afghanistan-Konferenz in den Bereichen gute Regierungsführung, Menschenrechte, Korruptionsbekämpfung und Verwaltungsreform gemacht hat. Die jetzige Neumandatierung versteht sich als Beitrag zur Umsetzung des in London beschlossenen Einstiegs in die "Übergabe in Verantwortung" im Sicherheitsbereich. Die stärkere Ausrichtung auf die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte wird für den militärischen Einsatz Deutschlands zum wesentlichen Teil durch Umstrukturierung der Kräfte innerhalb des gegenwärtigen Mandatsrahmens vorgenommen. Zusätzlich ist eine Erhöhung der Personalobergrenze um 850 auf nunmehr 5.350 Soldatinnen und Soldaten erforderlich. Darin enthalten ist eine Reserve von 350 Soldatinnen und Soldaten, um auf besondere Situationen, zum Beispiel bei der Absicherung der für 2010 vorgesehenen Parlamentswahlen, angemessen reagieren zu können. Die Reserve wird, zeitlich befristet und auf die jeweilige Aufgabe ausgerichtet, nach Befassung des Verteidigungs- und des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages eingesetzt. Das Mandat soll, wie gewohnt, für ein Jahr beschlossen werden, das heißt bis zum 28. Februar 2011.
Frage: Zum Stichwort Kundus-Untersuchungsausschuss: Der Ausschuss erwartet morgen die Aussage von Oberst Klein. Es gab heute Spekulationen, inwieweit Oberst Klein überhaupt aussagen wird und inwieweit er eine Aussagegenehmigung hat. Könnten Sie da für Aufklärung sorgen und auch sagen, ob er seitens des Ministeriums in irgendeiner Weise beraten wurde oder beraten wird?
Unser Petitum bleibt bis zur eindeutigen Klärung des Sachverhaltes, dass das Unschuldsprinzip also "in dubio pro Klein" gilt. (JA!!! Absolut.)
Falsche Schlussfolgerungen und mangelhafte Darstellung der Zusammenhänge können unter Umständen eben zu massiver Vorverurteilung führen. Diese das darf ich hier noch einmal anmerken ist in keinster Weise gegeben.